Trash-TV und Co. – ein Grund, sich darüber aufzuregen?

Na aber sicher! Deutschland sucht den Superarsch, Klappe die Hundertneunzigste, der Bachelor (wolle Rose kaufen?) und das Dschungelcamp laden herzlich dazu ein. Und jeder, der jetzt anfängt zu gähnen, da ich sicherlich nicht die erste Person bin, die sich darüber auslässt, wird feststellen, dass ich mich in einem Punkt zu den anderen Kritikern wesentlich unterscheide: Ich mag den Scheiss!

In meinem Beruf leiste ich viel intellektuelle Arbeit. Ich setze mich mit Datenbanken auseinander, bereite mit meinen Kollegen Großprojekte im Bereich der Datenmigration und des Datenimports vor, versuche täglich einem Herzinfarkt bei der Aussage von Kollegen älteren Semesters „Warum sollten wir die Verfahrensweise ändern, das haben wir doch schon immer so (verdamt oberaffenscheisse) gemacht“ mühevoll vorzubeugen und setze mich mit aktuellen politischen Themen auseinander – einfach weil das mein Arbeitsumfeld fordert. Und ganz ehrlich: ich finde es klasse nach der ganzen geistigen Anstrengung auch mal einfach nur „doof zu quatschen“ und nach dem Feierabend in die geistige Kloake allen menschlichen Daseins abzutauchen. Nix mehr mit „Wer-weiß-mehr-Spielchen“ oder „Habt ihr euch schon einen Lösungsweg für die Finanzkrise überlegt?“ – nein! Ich will und muss nach der Arbeit abschalten! Und die Glotze mit seinem fantastischen Unterhaltungsprogramm für den einfachen Geist hilft mir nahezu mühelos dabei – es fühlt sich an, als würden dir Trash-TV und Co. den Schädel aufschneiden um den letzten Rest normalen Menschenverstands in hübschen kleinen Portionen mit dem Teelöffel aus dem Hirn heraus zu süffeln. Hannibal Lecter würde frohlocken – es würde ihm enorm viel Arbeit abnehmen. Und wenn der ganze Bürokram erstmal aus dem Kopf verbannt  und die Evolutionsleiter steil bergab gestiegen wurde und ich wie ein Einzeller auf der Couch sitze, amüsiere ich mich köstlich – nicht zuletzt, da ich  am nächsten Tag in der Mittagspause dann gemeinsam mit meiner Kollegin so herrlich über das bescheuerte Zeugs lachen kann.

Mieses Programm? © Maret Hosemann/www.pixelio.de

Wir finden es dann wirklich klasse, dass sich magersüchtige und der Welt nahezu unbekannte B-Models (ach was rede ich, Z-Models!) nach dem Verzehr von eigens für die Unterhaltungsindustrie abgeschlachtetes Dschungelgetier die schlanken Finger in die Speiseröhre schieben um sich die restlichen Eingeweide des skelletierten Körpers aus der Seele zu reiern um dann noch im Anschluss jauchzend durch das Versager-Camp zu hüpfen und darüber zu strahlen, wie befreiend doch das orale Herausbringen von Innereien ist (Und klar, wir sind überzeugt, dass es sich hierbei nur „um einen empfindlichen Magen“ handelt. Sischa dat!!). In die Hände geklatscht, pädagogisch zu hundert Prozent unwertvoll und viele Jahre Emanzipation sind mit einem Schlag dahin.

Aber hey: Fake oder nicht, behämmert oder einfach nur „anders“: Thank God I’m normal! Und puh – ich finde den Weg zum Verstand nach Abschalten des Fernsehers dann auch wieder zurück. Danke Unterhaltungsindustrie, dass du mir immer wieder vor Augen führst, was die Menscheit doch für ein großes Wunder vollbracht hat, tatsächlich am oberen Ende der Nahrungskette zu stehen! Wenn ich so die TV-Landschaft der privaten Sender betrachte zweifle ich hin und wieder daran…

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