Costa Paradiso – Teil IV: der erste Tag!

Jolanda ist nach der ersten Nacht in der Villa bereits um sieben Uhr früh wach! Wie immer im Urlaub möchte sie nichts verpassen und nahezu jede Sekunde des Tages voll und ganz auskosten. Schlafen kann man auch später noch auf der Liege am Strand! Außerdem hat sich der Sardinien-Trupp am Abend zuvor zum traditionellen „Vor-dem-Frühstück-Jogging“ verabredet. Hat man früher noch bis 12 Uhr mittags seinen Rausch vom Vorabend ausgeschlafen und morgens in den Pool gekotzt, so läuft Mann/Frau im „gesetzten“ Alter nun artig in den frühen Morgenstunden die Strecken des vorher beschlossenen Trainingsplans. Alles für die Gesundheit, alles für die Figur – meine Güte, was sind wir spießig geworden…

Im Bad nur schnell eine Katzenwäsche, dann geht es ab in die Küche, wo schon die ersten Sportwütigen warten. Bewaffnet mit einem Kaffee und einer Banane für die Energie, treffen sich alle erst mal auf der Terrasse. Es ist gerade mal kurz nach neun und dank sardischer Sonne schon jetzt brüllend heiß. Jolanda reibt sich die Hände: Joggen und dabei braun werden – zwei Fliegen mit einer Klappe. Prima! Steffen hat sich vorher per App eine geeignete Laufroute zusammengestellt. Auch hierbei haben wir viel aus unserem letzten Mallorca-Urlaub gelernt. Damals waren die Läufer noch planlos durch die Gegend gelaufen, was dazu führte, ständig in irgendwelchen Sackgassen mit kläffenden Hunden zu enden. Diesmal sollte es also ein wenig professioneller werden. Es wird noch kurz über Manuelas Bauchtausche aka „Muschibeutel“ gelästert, dann geht es los!

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Als wir loslaufen haben wir sogleich die erste Herausforderung zu meistern. Schon ab den ersten Metern erwartet uns eine Steigung von gefühlten 100 Prozent! Es ist so heiß, dass alle nach den ersten Minuten gnadenlos anfangen zu schwitzen – selbst Jolanda! Aber da es der erste Tag ist, die Route unbekannt und die Hitze den Asphalt bereits jetzt schon zum Kochen bringt, wird ein relativ humanes Tempo gelaufen. Und als wir den ersten Berg prima gemeistert haben, erwartet uns abermals ein Anblick, der einem den Atem raubt! Die Strecke führt uns direkt an der Steilküste von Costa Paradiso entlang. Mit einem Schlag ist das Keuchen überwunden – der Ausblick lenkt von allem ab. Alle sind begeistert und die nächsten Meter hört man von jedem ein ständiges „Ohhh…“ und „Ahhh…“ und Jolandas „Ist das ein arschgeiler Ausblick!!“

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Dann und wann kommt uns ein Sarde entgegen und glotzt uns verständnislos an. Vermutlich geht hier niemand bei den Temperaturen joggen. Das ist uns jedoch egal, fühlen uns gut und schauen uns während des Laufens diesen wunderbaren Flecken Erde an. Jolanda lässt ihre Gedanken schweifen. Sie weiß nicht, ob es die üblichen Urlaubs-Endorphine sind oder die von der Sonne zerkochte Hirnmasse dazu führen, dass sie kurz sentimental wird. Mit Blick über diese bunte Laufgemeinschaft ruft sie sich in Erinnerung, dass diese Konstellation noch vor zig Jahren undenkbar gewesen ist. Zum einen, weil man sich noch nicht so wirklich gut kannte und zum anderen, da sich einige Pärchen getrennt und mehr oder weniger neu gemischt haben. Jolanda macht sich eine Notiz im Hinterkopf für den nächsten Blog: How I met my second Familiy…

Als die Villa wieder in Sichtweite gerät, sind alle super stolz auf diese Leistung! Es dauert nicht lang und die After-Jogging-Pool-Party wird eingeleitet. Costa Paradiso wird kurzzeitig von unserem Glucksen im Badeparadies erfüllt, doch dann gibt es nur noch einen Wunsch: FRÜHSTÜCK!!! Die Mädchen schneiden Obst und Mark bereitet die von allen heiß begehrten Spiegeleier mit Speck, Tomaten und Frühlingszwiebeln zu. Mit dieser spärlichen Küchenausstattung jedoch mitunter eine echte Herausforderung! Manuela, die ein eigenes Küchenfachgeschäft besitzt, hat bereits am Vorabend dieser primitiven Kochstätte eine vernichtende Kritik verpasst. Aber egal, sie summt an diesem Morgen ein fröhliches Werbe-Küchen-Lied, schließlich hat auch sie Urlaub und muss den Scheiss ja nicht verkaufen!

Das Frühstück selbst beginnt zunächst in einer ausgelassenen Stimmung. Schon bald jedoch offenbart sich die Terrasse als ein Wespenparadies. Das Lachen verstummt, es wird gehauen und gekloppt was das Zeug hält. Jens fängt an zu protestieren, schließlich mache das die Viecher noch aggressiver. Manuela ist anderer Meinung und es kommt, wie es kommen muss: sie holt aus zum Schlag, trifft, und schleudert das angesäuerte Insekt direkt in Jens Gesicht. Das Gebrüll ist groß, Jens uns Manuela sind kurzzeitig keine Freunde mehr. Irgendwann stellen wir aber fest, dass scheinbar nicht der Honig, sondern der gebratene Speck die Quelle allen Übels ist. Also stellen wir einen Teller mit dem dampfenden Fettzeugs ein Stück abseits und siehe da: die Wespen stürzen sich genüsslich darauf, so dass wieder etwas Ruhe am Tisch einkehrt.

Am Nachmittag beschließt der Sardinien-Trupp den im Internet angepriesenen Ministrand zu suchen, der sich nicht unweit der Villa befinden soll. Es wird ein kleines Abenteuer und ein steiler Trampelpfad windet sich durch ein dicht bewachsenes Wäldchen hinunter zur Steilküste. Leider muss der Badespaß im Meer verschoben werden, denn der Wellengang ist zu hoch und die Steilküste hält, was ihr Name verspricht. Zu gefährlich, wie wir alle beschließen.

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Und da die Sonne schon wieder tief am Himmel steht, machen wir spontan einen „kleinen“ Spaziergang zum nächst gelegenen „Sandstrand“. Nach gefühlten anderthalb Stunden erreichen wir zwar eine Art „Sandbucht“ – aber auch hier ist an baden nicht zu denken. Das tosende Meer schwappt bedrohlich an den Felsen entlang und abermals hat niemand so wirklich Bock heraus zu finden, ob das schädlich für unsere zarten Körper sein könnte. Also wird kurzerhand das Smartphone gezückt und nach der nächsten Cocktailbar gesucht. Es lebe die moderne Technik.

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Als wir in der Bar ankommen und unsere Getränke bestellen, werden wenige Sekunden später vom sardischen Kellner eine Platte mit Oliven und ein paar Erdnüsse serviert. Und noch bevor Jolanda bemerken kann, dass das zwar sehr nett, aber natürlich nicht umsonst ist, werden schon die ersten Oliven vertilgt. Egal… ist ja schließlich Urlaub. Es dauert jedoch nicht lang und eine zweite Platte mit Pizzastückchen wird vom scheinbar taubstummen Kellner stillschweigend auf unserem Tisch platziert. Nun meldet sich doch noch die sparsame Manuela zu Wort und versucht erneut mit Händen und Füßen zu erklären, dass wir das Zeug nicht haben wollen. Der Kellner glotzt verwirrt, nimmt den Teller aber schließlich wieder mit. Touristen, die man nicht abzocken kann, sind eben scheisse. Jens möchte aber auf jeden Fall ein Eis essen und während er daran schlabbert und gleichzeitig am Handy hantiert, rutscht ihm die Kugel aus dem Becher und er schaut wie ein bedröppeltes Kind auf die braune Masse, die sich fröhlich auf dem Boden verteilt. Zeit zu gehen…

Der Abend klingt aus, wie der erste: Jeder ist emsig damit beschäftigt, das Essen vorzubereiten. Das alles mit schöner Musik im Hintergrund und ein entsprechendes Kaltgetränk. Jolanda steht kurz vorm Festmahl auf der Terrasse und raucht ihre erste Zigarette des Tages. Warum nur schmecken diese scheiss Dinger im Urlaub immer besser als zu Hause? Manuela, die sich vorm Essen ebenfalls nochmal kurz auf die Loungegarnitur niedergelassen hat, hüstelt gekünstelt, als der Rauch in ihre Nähe kommt. Sie hasst das eben wie die Pest, aber Jolanda lässt sich diesen Augenblick der Ruhe nicht nehmen. Manchmal gelingt ihr das Ignorieren ihrer Umwelt ziemlich gut.

Nach dem Essen wird noch ein wenig gequatscht, ein paar Bier und der eine oder andere Wein getrunken, danach kehrt abermals Ruhe in der Villa ein. Das Gefühl der Tiefenentspannung breitet sich in unseren Adern aus und so schlafen wir alle zufrieden ein. Wenn da nicht plötzlich so ein fieses Geräusch in der Nacht zu hören wäre…

(Fortsetzung folgt)

Hier geht es zum dritten Teil.

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