Mein erster Artikel…

Wozu ein Blog? Diese Frage stellte sich erst vor kurzem mein Mann, der diese Art von Medium im Rahmen seiner Masterarbeit näher untersuchen wird und sich deshalb vor ein paar Wochen einen Zugang dazu schuf. Mein erster Gedanke zum Thema „Blog“: Brauch ich nicht! Wenn ich der Welt was mitteilen möchte, was eh keinen interessiert, dann mache ich das über Facebook. Oder ich suche mir im Freundeskreis meine Gesprächspartner aus, bei denen ich mir sicher sein kann, dass sie gerne Teil an meinem Leben haben und bei denen ich wiederum gespannt deren Geschichten aus dem Alltag lausche. Nun kam es aber so, wie es kommen musste: Mein Mann schrieb seine ersten Blogeinträge, machte diese über Twitter und Facebook zugänglich, erhielt so manchen Follower und ich wurde neugierig! Vor allem weil in Teilen wildfremde Menschen mit dir über Dinge diskutieren, bei denen man bisher annahm, man stünde allein mit seiner Meinung da. Natürlich ist das nicht immer so – es gibt auch mal Kritik zu verfassten Beiträgen. Aber solange diese nicht kontraproduktiv sind, ermöglichen sie einem doch mal den einen oder anderen Blick über den Tellerrand. Und spätestens zu diesem Zeitpunkt packte mich das Interesse dann doch!

Also: Blog eingerichtet. Und nun? Worüber will ich schreiben? Muss ich das jetzt jeden Tag tun? Wird sich jemals eine Seele dafür interessieren? Wenn nicht: kratzt das dann an meinem Ego?  Und spätestens nachdem mich mein Mann das erste Mal gefragt hatte, ob ich denn nun endlich einen ersten Eintrag verfasst hätte, verließen mich schon die Böcke. Ich hasse Zwänge wie diese! Bis eines Tages wieder eine Sache eintraf, die mich mit meinem Mann mehr als nur verbindet und die mich zum Entschluss brachte, den Blog in Angriff zu nehmen: Wut! Sie überkommt uns nicht nur fast täglich, nein – wir *leben* sie mit Leidenschaft! Unser rasender Puls wird im Alltag von Gegebenheiten erzeugt, die für Außenstehende meist als nahezu „banal“ empfunden werden. Mein Lieblingsklassiker hierbei ist z.B. mal wieder so ein blöder Depp im öffentlichen Nahverkehr, der auf der linken Seite der Rolltreppe steht. Sowas tut man doch nicht!! Und das wird dann gnadenlos auf unser eigens dafür im Kopf zusammengezimmertes Hass-Podest gesetzt, wir regen uns bis zum Erbrechen darüber auf, bis wir uns ausgelaugt und müde vom wir-hassen-links-auf-der-Rolltreppe-Steher fühlen. Worauf ich hinaus will: Manche Menschen brauchen für ihr Schreiben eine Muse, von der sie geküsst werden. Ich brauche die Wut. Erst wenn das Blut in meinen Adern kocht, kann ich loslegen – dann laufe ich zu Hochtouren auf!

Mit meinen damaligen Azubi-Leidensgenossen stand ich außerhalb der Berufsschulzeit per E-Mail täglich in Kontakt. Zu Sternstunden meiner, sagen wir mal „temperamentgeladenen“ Stimmungen, nutzte ich diesen Weg, meinem Zorn über all die Merkwürdigkeiten, die einem während der Lehrjahre über den Weg laufen (und glaubt mir, dass sind unendlich viele!), eine Art Ventil zu geben. Immer, wenn ich dachte, mir würde jede Sekunde der Ar*** platzen, fing ich an zu schreiben. Dies brachte mir den Spitznamen „Aggro-Jo“ ein, den ich tatsächlich nach sechs Jahren immer noch trage, wenn wir wieder zu unseren  Ehemaligentreffen zusammen kommen. Und ich muss gestehen, dass ich ziemlich oft stinkig war, so dass meine Azubi-Kollegen immer schön hübsch ein Stückchen vom Hass-Kuchen abbekamen. Irgendwann erweiterte sich dieser Kreis, so dass auch „Ausbildungsfremde“ ein Bild über mein Leben in einer öffentlichen Verwaltung erhielten. So fragte mich dann eines Tages eine Freundin, ob ich das Sammelsurium an aufgehobenen und echt skurrilen Mails, Kettenbriefen oder sonstigen Kurzgeschichten nicht mal zu einem Buch zusammenfassen könnte. Sie sagte, Geschichten aus dem Alltag seien doch immer noch die besten – davon könnten sich Assi-TV und Co. mal eine Scheibe von abschneiden.

Leider habe ich es bis heute nie geschafft, obwohl die aufgehobenen Erlebnisse genug Stoff dafür bieten würden. Aber wie gesagt: es muss mich überkommen, ich muss erst zum „Schreib-Hulk“ werden. Von daher: in die Hände gespuckt – schon allein der Weg in’s Büro mit den immer gleichen in der Tram sitzenden Waschweibern, die rund um die Uhr in mehr als nur nervtötend lauten Quäkstimmen über ihre ätzenden Bälger quatschen, der hundertneunzigste Penner, der in der Bahn morgens um sieben nach Pisse stinkt, der Lärm der Stadt, die unendlich süße Freundlichkeit des Berliners und alle links-auf-der-Rolltreppe-Steher dieser Welt bieten genug pulsierende Halsschlagadern, die mich zum Schreiben bewegen…

Im Großen und Ganzen widme ich diesen Blog meinen ehemaligen Azubi-Kollegen, meiner Freundin Mandy (keine Frau hat einen so derben, dreckigen und intelligenten Humor wie du!) und irgendwie meinem Papa: Danke für deine Gene! Wenn ich den Mund aufmache wissen alle, dass ich von dir bin 😉

6 Gedanken zu „Mein erster Artikel…

  1. Gratuliere! Finde ich eine sehr gute Idee, ein Blog neu einzurichten! Und Grüße an den Mann unbekannterweise! Ich wäre an der Masterarbeit interessiert, wenn sie fertig ist. Ließe sich das einrichtien, dass ich dann eine Nachricht bekäme? Vielen Dank!

    • Hallo Dave,

      am besten ist es, wenn Sie mich im April kontaktieren, bis dahin soll sie fertig sein. Es geht aber nur am Rande um Blogs, es stehen eher Soziale Medien im Allgemeinen und Twitter im Speziellen im Fokus… Da spielen Blogs auch eine Rolle, aber in dieser Arbeit nicht die vordergründige…

  2. also um das mal ein wenig zu relativieren: wir laufen ja nicht wutschnaubend durch die gegend und maulen und schimpfen. und wir sind uns über die ausmaße des ärger-anlasses durchaus bewusst. manchmal sind sie klein, manchmal groß. nicht jeder teilt das, was uns so manche schmunzler einbringt 🙂

  3. Oh, nun komme ich ja doch zu meinem Buch, eine Art Tagebuch, Kolumne …. Gefällt mir besser, als was festes, einmaliges…. Ich freu mich, dass du dich getraut hast und dich der Wut und somit uns öffnest! Denn, das Leben ist zu gemein, um einfach so ertragen zu werden! 😉

  4. Hey Jo. Dann hau mal in die Tasten um deinen Aggressionen freien Lauf zu lassen 😀 Sämtliche „Hass-Mails“ bzgl. unserer Ausbildung sind noch in meinen Yahoo-Archiv hinterlegt und können, bei „Idee-Bedarf“, wieder hervor geholt werden. Ich wünsche Dir hier viel Erfolg und bin auf deine Ausführungen gespannt! LG

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.